Der Goldene Schnitt

Kürzlich besuchte ich die Vorstellungs-Veranstaltung eines Privatgymnasiums. Mit Beamer wurden die Errungenschaften der Privatschule gegenüber den öffentlichen Schulen dargestellt: ca. 50% mehr Wochenstunden in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Fremdsprache. Beamer in jedem Klassenzimmer. Mehr Flexibilität, pädagogisches Konzept. Keine Ohnmacht angesichts leeren Kassen wie bei den öffentlichen Schulen.
Nach der Vorstellung fragte ich einen Lehrer, welcher Beitrag da wohl auf die Eltern zukomme. Leise hörte ich 72 Euro. „72 Euro im Jahr oder im Monat“, fragte ich. „Nein 270 Euro im Monat“, verbesserte der Lehrer. Eine Rückfrage im Schulsekretariat ergab jedoch, daß der Monatsbeitrag bei über 800 Euro lag. Dieser Monatsbeitrag deckte aber noch nicht die reichlichen Studienreisen ab.
Beim Schlendern durch die Schule fiel mir die Wochenarbeit eines Schülers zum Thema goldener Schnitt in die Hände. Ich glotzte auf die mathematischen Formeln und wunderte mich über die vielen Pentagramme. Ob da ein Bezug zum Pentagon bestand? Auch da Vincis „Mona Lisa“ sollte ein Produkt des goldenen Schnitts sein.
Zuhause angekommen beschloss ich, im Internet zum Thema goldener Schnitt zu recherchieren. Ich, der schon seit Jahren alles auf Augenmass macht und gerne mal voll in den Farbtopf langt. In mir reifte die Erkenntnis, dass ich eine geniale Konstruktion an meinem Monitor brauchte, um meinen Bildern bei der Nachbearbeitung mehr Charisma zu verleihen. Schon in der Miniaturansicht, sollten die Bilder „Klick mich, Klick mich“ schreien. Auf Basis von Formeln fand ich bald 2 Bezugspunkte. Ich beschloss 2 Schrauben in meinen Flachbildschirm zu drehen, um Lineale und Geodreiecke besser anlegen zu können. Also schnell mal die Bohrmaschine geholt und kurzentschlossen in den neuen Flachbildschirm gebohrt. Mist – die Matrix meines Monitors legte sich geradezu um den Bohrer herum. Es entstand ein Krater mit ca. 10mm Durchmesser. Welch ein Schreck. Na klar, die Bohrmaschine stand ja auch noch auf Schlagbohren. Aber jetzt ziehe ich die Sache durch. Das zweite Loch im Monitor wurde etwas besser.
Bei der praktischen Anwendung haben sich aber dann die beiden Schrauben als weniger nützlich erwiesen. Eigentlich Schade um den schönen neuen Monitor . . .
Glück im Unglück: Die Geschichte mit dem Monitor war nur ein Traum. Bruch der Solidargemeinschaft und die schwindende Chancengleichheit sind aber Realität.
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